Theoretisch könnte ich mich über vergeudete Lebenszeit im Kinosaal total aufregen. Aber so ist das nun einmal, wenn man Sneakpreviews besucht und irgendwie rechnet man ja auch ein wenig damit. Und freut sich über jeden guten Film dann um so mehr. Schade um die verlorenen Stunden ist es aber trotzdem. Vor allem, wenn man so schön mit den Jungs um die Häuser Canthas hätte ziehen können. Naja, nächstes Mal.
Vor kurzem lief in der OV-Sneak im Forum Oberkassel When a stranger calls. Ich will gar nicht viele Worten verschwenden, denn es war der mit Abstand langweiligste, uninspirierteste und auch harmloseste Teeny-Slasher-Horrorfilm, der mir bisher untergekommen ist. Und hatte ich schon langweilig als Attribut? Die einzigen Highlights des Films waren das wirklich beeindruckende Haus, in dem sich das Geschehen abspielt und die Hauptdarstellerin Camilla Belle. Ansonsten wies die Handlung mehr Löcher als Dialogzeilen auf und die Musik versucht konstant Spannung aufzubauen, was natürlich in die Hose gehen muss. Würde das alles noch nicht reichen, ist der Showdown mal sowas von doof, dass mir da glatt die Worte fehlen. Und während der ganzen Zeit passiert überhaupt nichts… rein gar nichts. Und nicht an einer einzigen Stelle im Film darf man sich so richtig gruseln oder erschrecken. Was soll man aber auch von einem Film erwarten, der auf 20 Minuten eines anderen Filmes basiert? Genau.
Ganz im Gegensatz dazu The Da Vinci Code, wo ich mich mal sowas von erschrocken habe. So richtig mit Arme schützend vor’s Gesicht reißen und auf dem Sitz in Embryonalstellung verkrampfen. Und eine Minute so verharren. Oder länger. Die Dame in der Sitzreihe hinter uns hat es an anderer Stelle dann gleich nochmal gerissen und uns mit ihrem leicht verspäteten “Arghhhhh!” von den Sitzen geholt, nachdem auf der Leinwand eigentlich gar nix mehr passierte. Doppelshocker sozusagen.
Der Film selbst war sehr ordentlich gemacht. Leider wirkt die Story zum Schluß doch arg konsturiert, so dass man den Kinosaal etwas enttäuscht verläßt und sich sogar ein wenig ärgert. Da hätte noch etwas Feinschliff am Drehbuch gut getan. Eine unlösbare Aufgabe wäre das nicht gewesen.
Weitaus schlimmer als der Film war das Kino. Die neue Lichtburg auf der Kö in den Katakomben des Mövenpick Marché mag ein netter Ort für Varieté und Kleinkunst sein, als Kino ist es eine Zumutung. Die Leinwand ist winzig, der Sound war furchtbar und die Typen hinterm Tresen äußerst uncharmant. Und wenn man dann pro Nase auch noch 9 Euro zahlen muss, überlegt man beim nächsten Mal nicht lange, wartet ein wenig und legt sich dann lieber gleich die DVD zu. Da kann man nämlich als Pärchen für’s gleiche Geld den Film so oft ansehen wie man will, wahlweise in O-Ton, mit Untertiteln, mit diversen Extras, Dokumentationen, weiterem Schnickschnack und allem Pipapo. Jetzt bitte nicht falsch verstehen: nicht die DVD ist zu billig, Kino ist schlicht und ergreifend viel zu teuer.
Die OT-Sneak in Oberkassel wiederum macht es eigentlich richtig mit nur 4,50 Euro und Bonus-Karte. Allerdings bekommt man selbst so den Saal nicht voll. Erstaunlich eigentlich.
Oh, und gestern lief übrigens Hard Candy. Die Castingliste besteht aus ganzen 5 Leuten und die beiden Hauptdarsteller waren wirklich grandios. Vor allem Ellen Page, die mit ihren 19 Jahren mal sowas von überzeugend als 14jährige durchgeht. Respekt. Leider kamen ihre Dialoge manchmal etwas zu erwachsen rüber. Mit einer einfacheren, schnörkelloseren Sprache wäre der Film sogar noch etwas intensiver gewesen. So bleibt ein verstörendes Kammerspiel mit großartigen Bildern. Die Kamera klebt den ganzen Film über fast ausschließlich auf den Gesichtern der Protagonisten und spielt vielleicht etwas zuviel mit der Tiefenunschärfe. Wer nicht auf Dialoge steht, sollte einen großen Bogen um den Film machen. Männer mit Kastrationsängsten ebenfalls.